Vergangene Lehrveranstaltungen

Ringvorlesung: Einblicke in die Digital Humanities

Aus unterschiedliche Perspektiven geben Referierende Einblicke in aktuelle Vorgänge der Theoretisierung und Umsetzung digitaler Methoden. Aus diversen Fachrichtungen – von Geschichte über Sprachwissenschaften zu Kunstgeschichte und Digital Humanities – vermitteln die Referentinnen und Referenten ihre Vorstellungen der zukünftigen digitalen Geisteswissenschaften.

Organisiert und geleitet durch Prof. Dr. Tobias Hodel

Hexen und Diebe: Devianz in der Frühen Neuzeit

Prof. Dr. Tobias Hodel, MA Christa Schneider, Anna Janka, Anna Funk

In Kooperation mit dem Staatsarchiv des Kantons Bern werden in der Veranstaltung der Weg von der Handschrift zum digital aufbereiteten Text nachvollzogen und darauf aufbauend die gewonnenen «Daten» analysiert. Alle Arbeitsschritte werden sowohl theoretisch diskutiert und eingeordnet, als auch praktisch umgesetzt. Die Arbeit mit Originalen im Archiv gehört ebenso dazu, wie die Arbeit mit den digitalisierten Dokumenten. Dadurch üben wir den gesamten Workflow der Digitalisierung, Aufbereitung und Auswertung des Quellenkorpus ein.Die Veranstaltung fokussiert einerseits auf die Akten des Chorgerichts (kirchliche Gerichtsbarkeit), andererseits auf Turmbücher aus alten Landvogteien, die mit den bereits vorliegenden Turmbüchern aus dem Käfigturm kombiniert werden können.Bei den Arbeiten am Quellenkorpus werden die Studierenden eng von Dozierenden, Tutorinnen und von Expert*innen aus dem Archiv begleitet. Mit Exkursion. 
 

Learning outcomes

Nach dem Besuch der Veranstaltung 

  • kennen die Studierenden den Prozess der Digitalisierung von historischen Handschriften in Erinnerungsinstitutionen und können Digitalisierungsworkflows entwickeln 
  • sind die Studierenden in der Lage praktische Methoden der Digitalisierung (in der Lehrveranstaltung mit dem ScanTent durchgeführt) selbständig anzuwenden und hinsichtlich Qualitätsstandards zu beurteilen. 
  • haben die Studierenden gängige Methoden und Standards zur Aufbereitung von digital vorliegenden historischen Dokumenten angewandt und können Vor- und Nachteile der Standards abwägen 
  • können die Studierenden Auswertungen historischer Dokumente mit digitalen Tools vornehmen (sog. Distant Reading) 
  • können die Studierenden Chancen und Probleme der Zusammenarbeit mit ausseruniversitären Partnern beurteilen 
  • können die Studierenden selbständig spezialisierte Software (u.a. Transkribus und Voyant Tools) innerhalb eines grösseren kooperativen Projekts im Bewusstsein der Qualität der Resultate anwenden 
  • haben die Studierenden ein Verständnis, wie in den Geisteswissenschaften interdisziplinär gearbeitet wird 
  • haben die Studierenden im Team ein Projekt entwickelt und durchgeführt

Data literacy für Geisteswissenschaftler*innen

Prof. Dr. Tobias Hodel, Christa Schneider und Reinhard Priber

Schlagworte wie Datenmanagement, computerunterstützte Methoden oder digitale Nachhaltigkeit füllen Presse und Strategiepapiere. In der Übung werden Expert*innen aus der Praxis aufzeigen, wie eigene Daten sinnvoll angelegt, verwaltet und präsentiert werden können. Die Übung ist als Blockveranstaltung nach dem offiziellen Semesterende konzipiert. 
Während des Semesters findet eine Einführungssitzung statt, die dem Verteilen der Aufgaben und Kennenlernen dient. 

Das Ziel der Übung ist das Anlegen und Kommentieren eigener Datensätze auf der OMEKA-Plattform der Digital Humanities. 

Learning outcomes

Die Studierenden:

  • ...kennen Standardformate zur Datenaufbereitung
  • ...können eigene Datensätze interpretieren und analysieren
  • ...verstehen Systeme zur nachhaltigen Aufbereitung von Daten

Crowdsourcing und Citizen Science: Der Einbezug der Öffentlichkeit für geisteswissenschaftliche Forschung

Prof. Dr. Tobias Hodel und Christa Schneider

 

Zur Beobachtung von Tieren oder Gewässern werden seit einiger Zeit Freiwillige rekrutiert und mit Hilfe digitaler Methoden zum Mitmachen angeleitet. Auch in den Geisteswissenschaften werden die Methoden des Crowdsourcing und des Citizen Science genutzt, um Daten zu generieren oder Inputs von Freiwilligen zu erhalten. Die Veranstaltung versucht eine Auslegeordnung, um die Möglichkeiten des Einbezugs von Freiwilligen auszutesten und Probleme zu antizipieren. Dabei gilt es unterschiedliche Ansätze zu erproben und kritisch zu reflektieren, was Freiwilligkeit in den jeweiligen Kontexten bedeutet und wie verantwortungsvoll mit Daten umgegangen werden kann. Von gamification über Transkribentinnen bis zur Mensch-Maschine Interaktion werden wir unterschiedliche Formen des Einbezugs untersuchen und einordnen. Die Nachhaltigkeit der erzeugten Daten und Wissensformen wird dabei immer mitgedacht.

Learning outcomes

Die Studierenden:

  • ...kennen Konzepte zum Einbezug von Freiwilligen
  • ...können Vor- und Nachteile sowie ethische Probleme von Projekten analysieren
  • ...setzen sich intensiv mit einem Projekt auseinander und können dieses präsentieren

Einführung in die Digital Humanities

Die Übung "Einführung in die Digital Humanities" von Professor Hodel richtet sich an Bachelor-Studierende der Phil.-hist. Fakultät aber auch darüber hinaus, die sich mit den Grundlagen der Digital Humanities vertraut machen wollen. Sie findet dienstags von 10-12 Uhr statt.

Algorithmen und Computer dominieren unseren Alltag und auch in den Geisteswissenschaften wird seit einigen Jahren durch Forschende Rechnerleistung genutzt, um im digitalen Raum "Experimente" mit digitalen oder digitalisierten Materialien durchzuführen. Ein Ausgangspunkt bleiben dabei Texte und Bilder, die in quantitativ grossen Mengen zwecks neuer Interpretationen ausgewertet werden. Im Unterschied zu naturwissenschaftlichen Daten ist die Auswertung dieser "Daten" ist weit weniger kanonisiert. Analysemodelle und -theorien (wie Stilometrie oder Distant Reading) werden ständig verworfen und neu propagiert. Darüber hinaus werden Verknüpfungen, Visualisierungen und Darstellungen möglich, die nach Auswertungen und neuen Narrativen verlangen.

Die Übung führt in die Digital Humanities ein und soll den eigenen Umgang mit digitalen Materialien einüben, gleichzeitig aber auch die medialen Umsetzungen und Auswertungen der Daten kritisieren und kontextualisieren. Informatische Vorkenntnisse sind keine gefordert, jedoch die Offenheit, mit Daten-, Text- und Bildbeständen zu spielen.

Text digital

Wort Frequenz Grafik

Der kritische und kreative Umgang mit Text gehört zu einer Vielzahl geisteswissenschaftlicher Disziplinen. Die Diskussion was überhaupt "Text" ist und welche Aussagen sich aufgrund von "Text" machen lassen, wurden aus unterschiedlichen Perspektiven und teils sehr widersprüchlich geführt. Im Rahmen der Übung machen wir uns mit verschiedenen Formen der digitalen Textaufbereitung vertraut. Dabei geht es sowohl um technische als auch um methodische Fragen. Von der Textaufbereitung für digitale Annotationen über Schichtenmodelle zu automatisch generierten Zeichenfolgen beschäftigen wir uns mit digitalen Aufbereitungs- und Annotationsangeboten.

Professor Hodel bietet die Übung "Text Digital – Von der Aufbereitung zur Auswertung" für Masterstudierende der Phil.-hist. Fakultät, aber auch darüber hinaus, an. Sie findet donnerstags von 14-16 Uhr statt.

Es können auch nur einzelne Sitzungen besucht werden (ohne Erwerb von Punkten). 

Data literacy und digitale Methoden

Im FS 2020 werden mehrere Dozierende eine Blockveranstaltung/Übung zu "Data literacy und digitale Methoden: Einführung für Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen" durchführen. Die Veranstaltung richtet sich sowohl an BA- als auch MA-Studierende aller Fakultäten.

Data Literacy für die darstellenden Künste

Digital Humanities research relies on data of various kind. How can we represent the information we want to collect, process and analyse?

PD Dr. Laurent Pugin

These are important issues to be tackled. For all disciplines in the Humanities there are some common needs but also some distinct ones. In this course, we will look at specificities for Performing Arts disciplines. Participants will learn about the most commonly used data structures and data formats and how to manipulate them. The exercise will be given as a block in three sessions, plus a short introductory one.

Vergehen der Vergangenheit: Digitalisierung, Aufbereitung und Auswertung der Berner Turmbücher aus historischer, sprachwissenschaftlicher und digitaler Perspektive

Wir wagen uns in Kooperation mit dem Staatsarchiv Bern an einen Teil der sogenannten «Turmbücher» (StABE B IX 422-587). Die Reihe wurde in der Frühen Neuzeit geschaffen und versammelt auf mehr als 250'000 Seiten Verhörprotokolle von und Entscheide gegen delinquente Berner*innen. Bislang existieren praktisch keine Forschungen zu diesem Quellenschatz.

Prof. Dr. Tobias Hodel und Christa Schneider MA

Wir üben den gesamten Workflow der Digitalisierung, Aufbereitung und Auswertung anhand eines Quellenkorpus ein. Gemeinsam erstellen wir ein Korpus und arbeiten danach in Kleingruppen unterstützt durch Expert*innen aus Archiv und Forschung an selbstgewählten Forschungsfragen.

Learning outcomes

Nach Absolvieren des Kurses

 
  • ...kennen die Studierenden den Prozess der Digitalisierung von historischen Handschriften in Erinnerungsinstitutionen und können Digitalisierungsworkflows entwickeln
  • ...sind die Studierenden in der Lage praktische Methoden der Digitalisierung (in der Lehrveranstaltung mit dem ScanTent durchgeführt) selbständig anzuwenden und hinsichtlich Qualitätsstandards zu beurteilen.
  • ...haben die Studierenden gängige Methoden und Standards zur Aufbereitung von digital vorliegenden historischen Dokumenten angewandt und können Vor- und Nachteile der Standards abwägen
  • ...können die Studierenden Auswertungen historischer Dokumente mit digitalen Tools vornehmen (sog. Distant Reading)
  • ...können die Studierenden Chancen und Probleme der Zusammenarbeit mit ausseruniversitären Partnern beurteilen
  • ...können die Studierenden selbständig spezialisierte Software (u.a. Transkribus und AntConc) innerhalb eines grösseren kooperativen Projekts im Bewusstsein der Qualität der Resultate anwenden
  • ...haben die Studierenden ein Verständnis, wie in den Geisteswissenschaften interdisziplinär gearbeitet wird
  • ...haben die Studierenden im Team ein Projekt entwickelt, durchgeführt und präsentiert.

DH-Lab

Prof. Dr. Tobias Hodel und das Team der Digital Humanities

Im Lab vertiefen die Studierenden ihre Kenntnisse und Fähigkeiten aus der Einführung in die DH. Einzeln oder in Gruppen werden Übungen gelöst und gleichzeitig eigene Vertiefungsprojekte (für Abschluss MA) diskutiert. Die Mitarbeitenden der DH stehen bei Fragen und Unklarheiten zur Verfügung.

Zielgruppe

Masterstudierende mit Interesse an digitalen Ansätzen in den Geisteswissenschaften.

Learning outcomes

  • Die Studierenden
    …formulieren und präsentieren eigene Abschlussarbeiten 
    …lösen selbständig angewandte Probleme der DH 
    …bekommen über externe und interne Referierende Einblicke in laufende Projekte der DH sowie State-of-the-art Ansätze und Lösungen

Gendering Algorithms – Weshalb wir intersektionale Digital Humanities brauchen

Prof. Dr. Tobias Hodel, Claudia Amsler MA

Sexistiche, ableistische und rassistische Algorithmen sind keine Fehler oder Zufälle in Systemen, sondern sie strukturieren digitale Technologien grundlegend seit Beginn der Computergeschichte. Im Kolloquium versuchen wir anhand einschlägiger Texte, die historisch gewachsene Verwobenheit von digitalen Technologien mit Macht, Überwachung und weisser, androzentrischer Vorherrschaft und ihre Perpetuierung sichtbar zu machen. Wir lernen im Kolloquium anhand konkreter Beispiele, wie wir den Mythos der körperlosen, immateriellen objektiven Künstlichen Intelligenz kontern können. Dafür zentrieren wir eine materielle und intersektionale Geschlechterperspektive auf digitale Technologien, welche u.a. den Fragen nachgeht: Wer hat die jeweiligen Technologien designt und für wen wurden sie gestaltet, wer hat sie wo und zu welchen Bedingungen hergestellt, wie und in welchen Kontexten und für was werden sie genutzt? 
Eine intersektionale Geschlechterperspektive hilft uns dabei die verschiedenen, miteinander verwobenen Machtordnungen in den Blick zu nehmen und zu verstehen. Nebst der Analyse von Unterdrückungsmechanismen sehen wir uns auch Wideraneignungs- und Ermächtigungsstrategien von/mittels digitalen Technologien an und inwiefern digitale Landschaften auch als Möglichkeitsräume des Widerstands verstanden und erlebt werden können.

Learning outcomes

  • Erklären können, wie digitale Technologien und Geschlechterordnungen zusammenhängen 
  • Geschlecht und das Digitale als soziale Konstrukte und somit vom Menschen konstruierte Kategorien zu verstehen 
  • Schärfung des mündlichen und schriftlichen Ausdrucks bei der kritischen Beschreibung algorithmischer Vorgänge

Das digitale Bild: Analyse und Visualisierung

Prof. Dr. Tobias Hodel und Sonja Gasser MA

Viele geisteswissenschaftliche Disziplinen stützen sich für die Forschung auf digitale Bilder. Mit Methoden der Digital Humanities können grössere Bildbestände analysiert, visualisiert und interpretiert werden. Das Seminar setzt sich mit digitalen Sammlungen, Datenformaten von Bildern und mit Metadaten auseinander, führt an verschiedene Methoden der Bildanalyse (z.B. computer vision, machine learning, clustering) heran, zeigt Möglichkeiten der Datenvisualisierung auf (z.B. Graphen, Diagramme, Netzwerke, interaktive Karten, generative Interfaces) und stellt dafür notwendige Tools vor. Daneben werden die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von digitaler Technologie kritisch reflektiert. Vorkenntnisse im Umgang mit Code und Datenbanken sind hilfreich, aber nicht Voraussetzung. 

Learning outcomes

Wir vermitteln/bieten:

  • Kenntnisse über die Forschungsschwerpunkte der Digital Humanities
  • einen kompetenten Umgang mit digitalen Bildern
  • vertiefte Kenntnisse von Tools zur digitalen Bildanalyse und -visualisierung
  • Anwendung eines Tools und Wissen darüber, wie und wo man sich zusätzliches Knowhow aneignen kann
  • Hilfestellung beim Entwickeln einer eigenen Fragestellung, die bestenfalls quantitative und qualitative Herangehensweisen vereinbart
  • auf visuelle Aspekte bezogene Methoden
  • auch die kritische Ausenaindersetzung mit digitalen Methoden, deren Möglichkeiten und Grenzen

Posthalterin, Pferd und Reblaus: Der frühe Schweizer Bundesstaat aus Sicht der Bundesratsprotokolle (1848-1900)

Prof. Dr. Tobias Hodel und Prof. Dr. Silvia Berger Ziauddin

Historische Forschung basiert auf präzisen Fragestellungen, die mit Hilfe von Quellen und unter Beizug wissenschaftlicher Literatur methodisch sauber aufgearbeitet werden. Was aber passiert, wenn man den Prozess umkehrt und auf der Grundlage eines Quellenkorpus versucht, Fragen und Analysen zu generieren? 
Im Seminar nähern wir uns dem „jungen" Schweizer Bundesstaat aus der Perspektive der frühen Bundesratsprotokolle. In den im 19. Jahrhundert noch handschriftlich erstellten Protokollen werden alltägliche Geschäfte wie die Besetzung von Posthalterinnen behandelt, aber auch Verträge mit anderen Staaten abgeschlossen, (berittene) Truppen mobilisiert oder Gesetze zum Schutz von Weinbergen erlassen. 
Diese zentrale Serie des Schweizerischen Bundesarchivs liegt digital vor und umfasst mehr als 150’000 Seiten. Um diese Masse an Materialien zu bändigen, benutzen wir digitale Herangehensweisen, die teilweise auf maschinellen Lernverfahren basieren und in den Bereich des „Distant Reading“ gehören. Parallel dazu werden wir aber auch „klassische“ Herangehensweisen für die Auswertung der Protokolle nutzen, etwa Volltextsuchen oder die Kontextualisierung mit anderen Dokumenten und historischer Literatur. Technische Auswertungen und historische Analysen werden zusammen gedacht und neue Auswertungsszenarien diskutiert. 
Es werden keine informatischen oder paläographischen Grundkenntnisse vorausgesetzt, jedoch die Offenheit, sich mit digitalen Technologien auseinanderzusetzen.

Learning outcomes

Die Studierenden verstehen die Anfänge des Bundesstaates aus einer zentralen Dokumentenreihe 
Die Studierenden können kritische, historische Fragestellungen aufgrund der Beschäftigung mit einem Textkorpus generieren 
Die Studierenden kennen computerunterstützte Auswertungsmechanismen, insbesondere topic modeling und named entity recognition und können diese erklären und (mit Unterstützung) anwenden 
Die Studierenden können ihre Forschungsresultate in einem Referat zur Diskussion stellen